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Se enferma en el hospital !
German Television ZDF, Report, "Mona Lisa" , 08-19-2010 (avaible only in german)

Hygienefehler als Ursache

Jährlich infizieren sich bis zu einer Million Patienten in deutschen Krankenhäusern mit gefährlichen Keimen, etwa 40.000 Patienten sterben daran. Dennoch scheinen viele Krankenhäuser ihre Hygienemaßnahmen nicht mit der dringend gebotenen Aufmerksamkeit zu betreiben. Tanja Koopmann infizierte sich vor sechs Jahren bei einer Kniespiegelung. Über 100 OPs hat sie seitdem hinter sich, mit 42 Jahren ist sie berufsunfähig

Ex-Handballspielerin Tanja Koopmann ist gezeichnet von über 100 Operationen. Erst seit kurzem kann die 42-Jährige wieder einigermaßen laufen. Vor sechs Jahren geht sie zur Kniespiegelung in eine Sportklinik. Danach bekommt sie starke Schmerzen. Doch die Infektion im Bein wird nicht erkannt, die Patientin nach Hause geschickt. Wenige Tage später kann nur noch eine Notoperation ihr Leben retten. Tanja erinnert sich: "Von dem Tag an sich weiß ich eigentlich nicht viel. Ich habe sehr hohes Fieber gehabt und wahnsinnige Schmerzen. Dann bin ich abends wach geworden und hatte sechs oder acht Schläuche in meinem Bein, Spülung oben, Spülung unten. Ich hatte überall wahnsinnige Schmerzen und wusste überhaupt nicht, was geschehen ist, was passiert ist." Mehr als 100 OP’s musste Tanja über sich ergehen lassen.

Eine lebensbedrohliche Sepsis nach Hygienefehler. Tanja Koopmanns Bein ist mit einem aggressiven Bakterium infiziert. 104 Operationen mit Vollnarkose und unzählige ambulante Eingriffe werden notwendig. Noch immer klafft ein 15 Zentimeter langes Loch in ihrem offen liegenden Knochen. Noch immer droht eine Amputation. Tanja Koopmann hat die Infektion alles gekostet: Gesundheit, Karriere, Lebensqualität. Sie lebt von Hartz IV. Dabei habe sie noch das Glück gehabt, bei jährlich bis zu 40.000 Todesopfern durch Sepsis, noch zu leben.

Hohes Infektions-Risiko

Tanja Koopmann hat die Sportklinik verklagt. Ihr Anwalt Burkhard Kirchhoff engagiert sich seit Jahren bundesweit für die Opfer der Hygienemängel in deutschen Kliniken. Auf seinem Tisch stapeln sich die Akten neuer Sepsisfälle nach Krankenhausinfektion. Er empfinde die Situation in Deutschland als Armutszeugnis, als medizinische Katastrophe, sagt der Rechtsanwalt: "Sowohl das Infektionsschutzgesetz wie auch die paar mickrigen Hygieneverordnungen, die in Deutschland existieren, sind überhaupt nicht geeignet, um sicherzustellen, dass in Deutschland Verhältnisse wie in den Niederlanden herrschen auf dem Gebiet der Hygiene."

Während die Niederlande die Infektionsraten durch strikte Kontrollen und Vorbeugemaßnahmen drastisch gesenkt haben, schätzt man, dass sich in Deutschland bis zu einer Million Patienten jährlich in Krankenhäusern mit gefährlichen Keimen infizieren. Hygiene-Berater Dr. Fengler kennt die Schwachstellen.

Schwere Hygienefehler

Zu selten gewechselter Mundschutz oder nicht fachgerecht gereinigte Instrumente - Mängel, auf die Hygiene-Berater wie Dr. Thomas Fengler immer wieder stoßen. Der Fachmann weiß worauf man achten muss: "Das Problem der Restverschmutzung nach einer Reinigung kann man besonders schön an Instrumenten sehen, die einen Laschenschluss haben. Liegen die Branchen nebeneinander und nimmt man eine weiße Kompresse und zieht sie drüber, dann sieht man den Schmutz, den man da rausholen kann." Ebenso seien unreine Container, beim Reinigen nicht geöffnete Scheren oder Geräte, die in einer Nierenschale liegen, in der sich Wasser ansammeln könne, Beispiele für Schwachstellen bei der Hygiene. Restschmutz nach der Reinigung wird sichtbar. 

Fakt ist:
Für die Reinigung von OP-Besteck braucht man in Deutschland keine Ausbildung. Dr. Fendler kritisiert: "Dadurch können die Gehälter niedriger sein, aber die Qualität dieser sehr komplexen Arbeit ist in unseren Augen nicht gewährleistet. Das heißt, ein guter Ausbildungsstandard ist wichtig und eine einheitliche Vorrausetzung, ein Hygienegesetz."

Der Druck steigt

Auch bei der Pflege auf Stationen finden Infektionen statt. Denn Verbandswechsel, das Legen von Kathetern und Infusionen haben eines gemeinsam: Sie werden von Händen ausgeführt, den gefährlichsten Überträgern von Keimen. Auf einer Intensivstation wäre es laut Berechnungen so häufig nötig, sich die Hände zu desinfizieren, dass das Personal insgesamt pro Schicht zwei Stunden dafür aufwenden müsste, um Keime wirksam abzutöten. Professor Dr. Uwe Schulte-Sasse, Klinikdirektor Anästhesie und Intensivmedizin SLK Kliniken Heilbronn, kennt die Realität: "Jeder, der sich das vor Ort einmal anschaut, kann sich vorstellen, dass 120 Minuten Zeit aufwenden für die Händedesinfektion, nicht zu 100 Prozent umsetzbar ist, wenn eine Krankenschwester, wie es heute nicht ungewöhnlich ist, zwei, drei oder vier Schwerkranke zu versorgen hat."

Und der Zeitdruck für das Personal wird immer stärker, erlebt Chefarzt Professor Schulte-Sasse. Denn viele Geschäftsführer wollen Personal einsparen und gleichzeitig immer mehr Patienten versorgen lassen. Dieser Druck habe eindeutig zugenommen, bestätigt Professor Schulte-Sasse. Dabei könnte man mit strengerer Hygiene sogar sparen, meint Hygiene-Experte Dr. Klaus-Dieter Zastrow. Schließlich kosteten die Folgen der Hygienemängel jedes Jahr Milliarden. Dr. Zastrow, Institut für Hygiene und Umweltmedizin Vivantes Kliniken Berlin: "Aus meiner Sicht sind Krankenhäuser nicht in erster Linie da, um Geld zu verdienen, sondern um Leute gesund zu machen. Und wenn wir die Leute so versorgen, dass wir sie schnell wieder gesund bekommen, dann verdienen die Krankenhäuser dabei Geld. An einer Infektion verdienen die Krankenhäuser kein Geld."

video source: ZDF  TV magazine Mona Lisa